Mein Cousin Daniel unterrichtet Geschichte an einer Kantonsschule, liest beim Frühstück die Zeitung von hinten nach vorne und hat auf zwei Dating-Apps nach eigener Aussage «nur Fotos von Leuten auf Booten» gesehen. Als er nach seiner Trennung fragte, wo er denn jemanden finden könne, mit dem man über mehr als das Wetter redet, habe ich ihm Academic Singles gezeigt. Und weil ich neugierig bin, habe ich mich gleich selbst angemeldet.
Gleich vorweg: Ich habe keinen Hochschulabschluss, sondern eine kaufmännische Lehre und später eine Weiterbildung in der öffentlichen Verwaltung. Die Seite hat mich trotzdem freundlich aufgenommen. Hier mein Bericht, aus zwei Perspektiven.
Bei Academic Singles treffen sich gebildete und kultivierte Singles mit dem Wunsch nach einer dauerhaften Beziehung. Bei den Partnervorschlägen spielt neben der Persönlichkeit auch das Bildungsniveau eine Rolle. Das heisst nicht, dass nur Doktorinnen und Professoren angemeldet sind, aber die Vorschläge berücksichtigen, was dir in diesem Punkt wichtig ist.
Die Seite gehört zur gleichen Gruppe wie be2 und ist auch in anderen Ländern aktiv. In der Westschweiz läuft die Schwestermarke unter einem anderen Namen, auf der deutschsprachigen Seite bist du also unter Deutschschweizern und allen, die sich auf Deutsch wohlfühlen.
Das Herzstück ist ein Fragebogen nach wissenschaftlichen Kriterien. Rechne mit etwa einer halben Stunde. Daniel hat ihn an einem Stück durchgezogen, ich habe zwischendurch die Wäsche aufgehängt. Die Fragen sind gut formuliert und gehen in die tiefe: Wie verbringst du deine Freizeit, wie wichtig ist dir Austausch, wie gehst du mit Meinungsverschiedenheiten um.
Danach bekommst du gratis deine Auswertung, die Beschreibung deines idealen Partners und erste Vorschläge. Daniel hat seine Auswertung ausgedruckt und mir am Telefon vorgelesen. Er fand sie «unangenehm zutreffend», was bei ihm ein grosses Kompliment ist.
Die Profiltexte waren deutlich länger als auf den meisten anderen Seiten. Viele schreiben über Bücher, Reisen, Musik, Berufe mit Verantwortung, und manche über ganz alltägliche Dinge mit einer schönen Prise Humor. Eine Ärztin aus Zürich hatte in ihrem Profil nur drei Sätze, aber einer davon war: «Ich suche jemanden, der mit mir an einem Regentag ins Kunsthaus geht und danach nicht über Kunst redet.» Daniel hat ihr geschrieben. Sie gehen inzwischen regelmässig ins Kunsthaus.
Bei mir waren die Kontakte etwas seltener, was ich verstehe: Die Seite tut, was sie verspricht, und meine Bildung passt nicht in jedes Raster. Die Gespräche, die ich hatte, waren aber ausgesprochen angenehm, und niemand hat mich spüren lassen, dass ich «nur» eine kaufmännische Ausbildung habe.
Weil hier viel gelesen wird, lohnt sich ein Profiltext mit Substanz. Daniel hat zuerst eine Art Lebenslauf geschrieben, mit Ausbildung, Stellen und Sprachkenntnissen. Die Reaktionen waren höflich, aber spärlich. Ich habe ihm geraten, stattdessen von seinem letzten Sonntag zu erzählen: Zopf vom Bäcker, ein Spaziergang durch die Altstadt von Winterthur, am Abend ein Konzert in der Tonhalle, bei dem er neben einer Frau sass, die die ganze Zeit mitdirigiert hat. Danach kamen in einer Woche mehr Nachrichten als im ganzen Monat davor.
Mein Eindruck ist, dass die Mitglieder auf Academic Singles nicht nach Titeln suchen, sondern nach Neugier. Wer zeigt, dass er sich für etwas begeistern kann, fällt auf. Ein Foto, auf dem du etwas tust, statt nur in die Kamera zu lächeln, hilft ebenfalls. Daniel hat ein Bild genommen, auf dem er in einem Antiquariat in Basel in einem Buch blättert. Es ist das beste Foto, das ich je von ihm gesehen habe, und ich kenne ihn seit über vierzig Jahren.
Noch ein Hinweis zur Geduld: Weil die Zielgruppe enger ist, kommen die Vorschläge nicht im Minutentakt. Wer zwei Wochen nichts von sich hören lässt und dann enttäuscht ist, hat der Seite keine Chance gegeben. Daniel hat die ersten vier Wochen gebraucht, um überhaupt warm zu werden.
Die Preise siehst du nach der Anmeldung. Sie liegen laut Testberichten bei ab ca. CHF 119.90 im Monat für drei Monate, ab ca. CHF 79.90 für sechs Monate und ab ca. CHF 59.90 pro Monat beim Jahresabo. Daniel hat sich für zwölf Monate entschieden, «weil man ein gutes Buch auch nicht nach drei Kapiteln weglegt». Ich hatte nur ein kurzes Abo.
Wie bei den anderen Seiten der Gruppe gilt: Das Abo verlängert sich, wenn du nicht vier Wochen vor Ablauf kündigst. Daniel hatte das Datum in seiner Agenda mit Füllfederhalter eingetragen, natürlich.
Eine Studie der Universität Genf hat vor einigen Jahren gezeigt, dass Paare, die sich online kennengelernt haben, genauso zufrieden sind wie andere und häufiger zusammenziehen wollen. Die Forscherin hat ausserdem beobachtet, dass online öfter Menschen mit unterschiedlichem Bildungsweg zusammenfinden. Das ist ein schöner Gedanke für eine Seite wie diese: Gesucht wird nach Gesprächspartnern auf Augenhöhe, nicht nach einem bestimmten Diplom. Die Studie wurde in PLOS ONE veröffentlicht.
Academic Singles ist die richtige Seite für Menschen, die Wert auf gute Gespräche und einen ähnlichen Bildungshintergrund legen. Der Fragebogen ist gründlich, die Profile sind gehaltvoll, die App ist gut, und die Atmosphäre ist angenehm unaufgeregt. Weil die Zielgruppe bewusst enger ist und man dadurch in ländlichen Regionen etwas weniger Vorschläge bekommt, gebe ich 9,3 von 10. Für Daniel war es trotzdem eine glatte Zehn.
Wer lieber eine breitere Auswahl hat, schaut sich be2 oder das neue eDarling an. Die ganze Rangliste findest du auf der Startseite.
Ich bin Monika aus Schaffhausen und habe die grossen Partnerbörsen selbst ausprobiert. Mehr über mich